Eine Woche, ein Rad, endlos viele Höhenmeter: Unsere Tourenserie auf den Kanarischen Inseln ist nichts für Feingeister, aber ein Fest für alle, die ihre Beine gerne an ihre Grenzen führen – und darüber hinaus. Sonne, Wind, Lavagestein und die steilsten Rampen Europas: Wer hier fährt, braucht mehr als nur Kondition, sondern auch eine gehörige Portion Punk im Blut.
- Eine Woche Roadcycling auf den Kanarischen Inseln – maximal fordernd, maximal belohnend
- Radtechnische Herausforderungen durch extreme Steigungen und wechselhaftes Klima
- Unterschiede zwischen den Inseln: Vom Asphalt-Traum auf Gran Canaria bis zur Windhölle auf Lanzarote
- Ideale Vorbereitung: Material, Ernährung, Trainingsplanung
- Geheime Routen-Tipps für ambitionierte Höhenmetersammler
- Wichtige Sicherheitstipps zu Wetter, Verkehr und lokalen Eigenheiten
- Fazit mit ehrlicher Pro- und Contra-Liste: Für wen lohnt sich das Abenteuer?
Die Kanaren als Spielplatz für Höhenmeter-Junkies
Die Kanarischen Inseln sind in der europäischen Radszene längst mehr als ein Geheimtipp – sie sind das Epizentrum für alle, die Höhenmeter nicht nur als Zahl auf dem Tacho, sondern als Lebensgefühl begreifen. Von Gran Canaria über Teneriffa bis nach La Palma: Jede Insel hat ihren eigenen Charakter und fordert das Maximum von Mensch und Maschine. Die Straßen sind oft steil, endlos lang und schlängeln sich in Serpentinen durch bizarre Vulkanlandschaften. Wer hier unterwegs ist, weiß: Flach wird’s selten, langweilig nie. Die Kanaren sind ein Paradies für alle, die sich mit den ganz Großen messen oder einfach nur die eigene Komfortzone sprengen wollen.
Der Mythos besteht zu Recht: Hier trainieren Profis wie Amateure, hier werden Winterträume zu Frühjahrsbeinen. Die klimatischen Bedingungen sind gnadenlos ehrlich – von sengender Sonne bis zu peitschenden Passatwinden, von Nebelsuppe im Hochland bis zum plötzlichen Platzregen am Küstenstreifen. Die Straßenqualität schwankt zwischen frisch asphaltierten Traumabschnitten und holprigem Flickenteppich, der jedem Carbonrahmen das Fürchten lehrt. Wer sich darauf einlässt, bekommt nicht nur atemberaubende Ausblicke, sondern auch eine ordentliche Portion Demut vor der Natur und der eigenen Leistungsfähigkeit.
Das Beste: Trotz aller Herausforderungen bleibt die Infrastruktur so freundlich, dass auch Solo-Abenteurer oder kleine Gruppen ihren Spaß haben. Cafés, Tankstellen und Radläden gibt’s genau dann, wenn man sie braucht – und notfalls hilft die legendäre kanarische Gastfreundschaft weiter. Die Kanaren sind der perfekte Spielplatz für alle, die mehr wollen als „nur“ Radfahren. Hier wird jede Ausfahrt zur epischen Geschichte, die man beim nächsten Stammtisch garantiert erzählen wird.
Material und Vorbereitung: Mehr als nur ein starker Wille
Wer eine Woche Kanaren-Tour plant, sollte nicht blauäugig anreisen – Material und Vorbereitung sind entscheidend, wenn der Traum nicht zum Alptraum werden soll. Ein leichtes, aber robustes Rennrad ist Pflicht. Die Steigungen sind teilweise jenseits der 20-Prozent-Marke, und wer glaubt, mit einer Standard-Übersetzung auszukommen, wird spätestens ab Kilometer 200 schmerzlich eines Besseren belehrt. Kompakt-Kurbel, große Kassette, frische Bremsbeläge und griffige Reifen sind das Minimum für eine sorgenfreie Woche. Die Straßen fordern alles, was das Setup hergibt – von der steilen Rampe bis zur windumtosten Abfahrt.
Auch das richtige Packen entscheidet über Sieg oder Niederlage. Wer clever ist, nimmt für jede Wetterlage das passende Trikot mit: Windweste, leichte Regenjacke, Armlinge und Beinlinge gehören trotz Sonne ins Gepäck. Die Temperaturunterschiede zwischen Küste und Hochland sind brutal – binnen einer Stunde kann man vom Sonnenbaden ins Frösteln geraten. Und wer sich einmal verkalkuliert, landet schnell in der legendären „Hungerast-Hölle“ der Kanaren. Also: Riegel, Gels und ausreichend Flaschen sind Pflicht. Lokale Bäckereien und Supermärkte helfen, aber auf langen Bergetappen kann die Versorgungslage dünn werden.
Trainingsplanung ist das nächste heiße Eisen. Wer im Winter aus Mitteleuropa anreist, sollte vorher schon ein paar Grundlagenkilometer in den Beinen haben. Intensives Bergtraining, längere Grundlageneinheiten und vor allem: das mentale Rüstzeug, wenn der Pass zum dritten Mal am Tag einfach nicht enden will. Die Kanaren sind kein Wellness-Urlaub, sondern ein Hardcore-Trainingslager. Aber genau das macht sie so einzigartig. Wer vorbereitet ist, wird belohnt – mit epischen Höhenmetern, brennenden Oberschenkeln und einem Grinsen, das bis zum nächsten Herbst hält.
Die Inseln im Vergleich: Wo fährt man was?
Gran Canaria, Teneriffa, Lanzarote und La Palma – jede Insel hat ihren eigenen Reiz und verlangt unterschiedliche Skills. Gran Canaria ist ein wahres Serpentinen-Paradies: Hier geht es von Meereshöhe bis auf fast 2000 Meter, oft ohne echte Flachpassagen. Die legendäre „Pico de las Nieves“-Auffahrt ist ein Muss – 45 Kilometer am Stück, mehr als 2000 Höhenmeter, Rampen bis 23 Prozent. Wer das schafft, darf sich getrost „Bergziege“ nennen. Die Straßen sind meist in Top-Zustand, der Verkehr hält sich in Grenzen. Auf Gran Canaria dominiert der Asphalt – hier sind Racer und Kletterer zu Hause.
Teneriffa dagegen lockt mit dem majestätischen Teide, Spaniens höchstem Berg. Die Auffahrt von Meereshöhe bis auf über 2300 Meter ist ein echter Mythos und bietet die längsten Anstiege Europas. Die Landschaft wechselt von subtropischem Grün bis zu bizarren Lavafeldern – eine Herausforderung für Geist und Material. Doch Achtung: Der Wind am Teide ist gnadenlos, und wer sich im Nebel verirrt, muss improvisieren können. Teneriffa ist der perfekte Spot für alle, die gerne lange, gleichmäßige Anstiege fahren und sich vom Wind nicht einschüchtern lassen.
Lanzarote ist der Outlaw im Kanaren-Quartett: Hier gibt es weniger Höhenmeter, aber dafür endlose Windschlachten. Die Straßen führen durch Mondlandschaften, vorbei an Vulkanen und durch pittoreske Dörfer. Das Klima ist trockener, die Vegetation spärlich – dafür sind die Bedingungen für Wintertraining optimal. La Palma schließlich wartet mit extremen Steigungen und unerwartet viel Grün auf. Die Straßen sind schmal, die Abfahrten technisch, und wer sich hier verausgabt, bekommt pure Wildnis-Atmosphäre gratis dazu. Jede Insel bietet ihre eigene Challenge – und am Ende die beste Aussicht des Lebens.
Geheime Routen und Insidertipps für Höhenmeter-Freaks
Die Kanaren sind übersät mit bekannten Klassikern – aber die wahren Schätze findet nur, wer abseits der ausgetretenen Pfade sucht. Auf Gran Canaria etwa lohnt sich die Runde durch das „Tal der Tränen“ – eine brutale Strecke mit über 3000 Höhenmetern auf weniger als 100 Kilometern. Hier reiht sich Rampe an Rampe, die Straßen sind oft schmal und der Asphalt rau. Wer durchhält, wird mit atemberaubenden Ausblicken über den Atlantik belohnt und trifft mehr Ziegen als Autos. Ein echter Geheimtipp für alle, die Höhenmeter als Religion verstehen.
Auch Teneriffa hält abseits des Teide spektakuläre Routen bereit. Die Nordseite der Insel ist wilder, grüner und noch fordernder. Die Auffahrt nach Masca, ein verschlafenes Bergdorf, ist ein unvergessliches Erlebnis: Schmale, kurvige Straßen, steile Rampen, und eine Abfahrt, die selbst erfahrene Abfahrer ins Schwitzen bringt. Die Kombination aus Landschaft und Herausforderung ist einzigartig – wer hier fährt, erlebt das pure Kanaren-Feeling in Reinform.
Auf Lanzarote sollte man früh aufbrechen und die Runde durch das Timanfaya-Gebiet wählen. Die Straßen durch die Lavafelder sind spektakulär, aber der Wind kann zur echten Prüfung werden. Wer Glück hat, fährt Rückenwind bis zum Sonnenuntergang – wer Pech hat, lernt, was „Gegenwind“ wirklich heißt. Auf La Palma schließlich ist die Auffahrt zum Roque de los Muchachos Pflicht. Über 2400 Höhenmeter am Stück, spektakuläre Ausblicke und kaum Verkehr machen diesen Anstieg zum absoluten Höhepunkt. Geheimrouten gibt es viele – aber eines ist sicher: Auf den Kanaren wird jede Runde zum Abenteuer.
Sicherheit, Ernährung und der ganz normale Wahnsinn
So viel Abenteuerlust braucht auch ein bisschen Hausverstand. Die Kanaren sind zwar radfreundlich, aber nicht ohne Tücken. Das Wetter kann blitzschnell umschlagen – Nebel, Regen und Wind sind ständige Begleiter. Wer auf 2000 Metern ohne Jacke dasteht, wird schnell zum Eiszapfen. Also: Immer Wetter-App checken, Kleidung nach dem Zwiebelprinzip und bei Unsicherheiten lieber einmal mehr als weniger Pause machen. Die Straßen sind zwar wenig befahren, aber nicht immer perfekt ausgebaut. Schlaglöcher, Rollsplitt und plötzlich auftauchende Ziegenherden sorgen für Adrenalinschübe abseits der geplanten Intervalle.
Auch die Ernährung will geplant sein. Die Verpflegungsdichte ist in den Bergen niedrig, und Supermärkte haben oft Siesta. Wer auf Fuerteventura oder Lanzarote unterwegs ist, sollte immer ausreichend Wasser und Snacks dabeihaben. Einheimische Spezialitäten wie Gofio oder Queso Asado sind lecker, aber im Notfall zählt nur: Riegel rein, weiterfahren. Im Zweifel helfen Tankstellen oder kleine Dorfbars – aber auf den langen Bergetappen sollte niemand auf Glück spielen.
Der wichtigste Tipp zum Schluss: Genießt das Abenteuer! Die Kanaren sind rau, ehrlich und fordernd – aber nirgendwo sonst kann man in einer Woche so viele Höhenmeter, Landschaften und Emotionen sammeln. Egal ob Anfänger, ambitionierter Amateurradler oder alter Hase: Wer hier fährt, wird ein Stück weit zum Kanaren-Punk. Und die Erinnerung an diese Woche bleibt garantiert länger als jeder Muskelkater.
Fazit: Die Kanaren – das ultimative Höhenmeter-Labor?
Eine Woche auf den Kanarischen Inseln ist mehr als nur Radurlaub – es ist ein Statement. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, bekommt Sonne, Wind, epische Anstiege und eine Radkultur, die ihresgleichen sucht. Die Mischung aus anspruchsvollen Strecken, wechselhaftem Klima und spektakulärer Natur macht die Kanaren zum idealen Trainingsrevier – für alle, die bereit sind, sich selbst herauszufordern. Egal, ob Roadie, Gravel-Fan oder Abenteurer: Hier findet jeder seine persönliche Grenze – und kann sie verschieben. Am Ende zählen nicht nur die Höhenmeter, sondern das Gefühl, etwas wirklich Großes erlebt zu haben.
Pro:
- Ganzjährig mildes Klima – Trainingslager im Winter problemlos möglich
- Sensationelle Anstiege und abwechslungsreiche Streckenprofile
- Gute Infrastruktur und radfreundliche Atmosphäre
- Jede Insel bietet einen eigenen Charakter und besondere Herausforderungen
- Landschaftlich und sportlich einzigartig in Europa
- Viele Routen abseits der Touristenströme
- Perfekt für ambitionierte Amateure und Profis
Contra:
- Steile und lange Anstiege können für Einsteiger zu hart sein
- Schnell wechselndes Wetter, teilweise gefährliche Abfahrten
- Wind und Verkehr können auf manchen Inseln zur echten Belastungsprobe werden
- Versorgung in den Bergen nicht immer garantiert – Planung nötig