Wer glaubt, Mallorca sei nur Ballermann und Sangria, der hat wohl noch nie einen Freitagnachmittag im Tramuntana-Gebirge verbracht. Drei Tage, drei legendäre Routen und ein Wochenende, das mehr Endorphine produziert als jede Après-Bike-Party – das ist das perfekte Radabenteuer auf der Insel für Genießer, Kilometerfresser und Höhenmeter-Junkies.
- Die besten drei Routen für jedes Fahrniveau – von Küstenklassiker bis Gebirgspass-Marathon
- Insider-Tipps zu Verpflegung, Ausrüstung und Sicherheit auf Mallorcas Straßen
- Alle Highlights: Cap de Formentor, Sa Calobra, Puig Major und magische Dörfer
- Strategien für entspanntes und effektives Training an nur drei Tagen
- Wie du Touristenfallen elegant umkurvst und das echte Mallorca erlebst
- Wetter, Wind und Verkehrsregeln – was du wirklich wissen musst
- Empfehlungen zu lokalen Cafés, Radläden und After-Ride-Spots
- Perfekt für Solo-Abenteurer, Freundesgruppen oder Paar-Getaways
Tag 1: Warm-up auf der Küstenstraße – Von Palma nach Andratx
Der erste Tag auf Mallorca ist wie ein frischer Espresso: kurz, knackig, aber mit ordentlich Wumms. Wer in Palma landet, sollte sich nicht von der Hektik der Hauptstadt abschrecken lassen. Schon nach wenigen Kilometern wird es ruhig, und die Küstenstraße Richtung Andratx entfaltet ihren vollen Charme. Hier rollt man auf butterweichem Asphalt direkt am Meer entlang, die Wellen donnern rechts, links duftet es nach Pinien und Rosmarin – und spätestens ab Sant Elm weiß man: Radurlaub auf Mallorca ist kein Marketing-Gag, sondern verdammt nah am Paradies.
Die Strecke eignet sich perfekt zum Einrollen und Ankommen, denn die Anstiege sind moderat, aber niemals langweilig. Kleine Buchten laden zu spontanen Stopps ein, und wer sich Zeit nimmt, entdeckt versteckte Chiringuitos, in denen die Einheimischen ihren Cortado schlürfen. Die Route Richtung Andratx bietet neben Panoramen auch einige technische Passagen, bei denen sich ein präzises Bike-Handling auszahlt. Wer die Küstenstraße in den frühen Morgenstunden erlebt, hat sie fast für sich alleine – ein Gefühl, das mit keinem Wattmesser der Welt zu messen ist.
Am Nachmittag lohnt sich ein Abstecher ins charmante Städtchen Andratx. Hier gibt’s nicht nur die beste Ensaimada der Region, sondern auch ein paar Radläden, falls dem Material nach dem Flug etwas Liebe fehlt. Für alle, die noch Energie übrig haben, geht’s zurück über die hügelige „Coll de sa Gramola“-Schleife – ein würdiges Warm-up für das, was die nächsten Tage bereithalten. Und ein kleiner Vorgeschmack auf die Dosis Höhenmeter, die Mallorca in petto hat.
Tag 2: Königsetappe – Sa Calobra, Puig Major und das Herz der Serra de Tramuntana
Der zweite Tag ist nichts für Angsthasen oder Kalorien-Zähler: Wer Mallorca mit dem Rad erleben will, muss sich der Königin aller Inselrouten stellen – Sa Calobra und Puig Major. Startpunkt ist meist Inca oder Sóller, von wo aus es schnurstracks in die Tramuntana geht. Der erste Koffein-Kick kommt spätestens in Lluc, dem Kloster und Pilgerort. Hier triffst du morgens auf Pros, Amateure, Rentnergruppen und Influencer – alle mit demselben Ziel: den legendärsten Anstieg der Insel.
Sa Calobra ist nicht einfach nur ein Berg, sondern der ultimative Roadie-Ritus. Die Straße windet sich wie ein betrunkener Aal durch die Felsen, Kehre um Kehre, bis hinunter ans Meer. Der Clou: Runterfahren ist Pflicht, denn der Rückweg geht nur – richtig! – hoch. Die 10 Kilometer mit durchschnittlich sieben Prozent Steigung sind ein Test für Beine, Lunge und Kopf. Aber die Landschaft entschädigt für jede Schweißperle: Kalkfelsen, Ausblicke auf türkisfarbenes Wasser und dieser Flow, den nur eine echte Passstraße liefert.
Wer noch nicht genug hat, setzt nach dem Sa Calobra-Showdown einen drauf und nimmt Puig Major in Angriff – den höchsten Asphaltpunkt der Insel. Der Anstieg ist lang, rhythmisch und gnadenlos ehrlich. Auf dem Gipfel gibt’s nicht nur das obligatorische Selfie, sondern auch einen atemberaubenden Blick über die gesamte Serra. Tipp für die Harten: Die Abfahrt zurück nach Sóller ist ein Rausch aus Geschwindigkeit und Kurven – hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Und am Abend? Tapas, Bier und Muskelkater, wie er im Lehrbuch steht.
Tag 3: Cap de Formentor – Magisches Finale am nördlichsten Punkt
Wer am dritten Tag noch stehen kann, hat alles richtig gemacht – und verdient sich das absolute Highlight: Die Tour zum Cap de Formentor. Startpunkt ist meist Port de Pollença, wo sich schon früh am Morgen die Roadie-Karawane Richtung Leuchtturm in Bewegung setzt. Die Strecke ist ein Meisterwerk der Straßenbaukunst: Wellenförmig, kurvig und mit Ausblicken, die fast schon kitschig wirken. Rechts die Steilküste, links tiefe Wälder – und immer wieder kleine Rampen, die den Puls nach oben treiben.
Die größten Herausforderungen sind hier weniger die Höhenmeter als der Wind und der Verkehr. Wer schlau ist, startet vor den Mietwagen-Kolonnen und genießt die ersten Sonnenstrahlen auf dem Asphalt. Unterwegs warten Fotospots ohne Ende – von der berühmten Mirador-Plattform bis zum letzten Parkplatz vor dem Leuchtturm. Die letzten Kilometer zum Cap sind technisch anspruchsvoll: enge Kurven, Gegenverkehr, ab und zu ein Ziegenbock auf der Straße. Aber die Belohnung am Ziel ist unbezahlbar: Das Meer, der Wind, der Leuchtturm – und das unverschämte Gefühl, am nördlichsten Punkt Mallorcas angekommen zu sein.
Der Rückweg nach Port de Pollença rollt fast von allein, aber wer noch Energie hat, hängt ein paar Schleifen durch die umliegenden Dörfer dran. Alcúdia, Pollensa und das flache Land bieten perfekte Bedingungen zum Ausrollen und Genießen. Den Abschluss gibt’s im Café am Hafen, die Sonne im Gesicht, Espresso in der Hand und das Wissen: Drei Tage Mallorca sind besser als jede Woche All-inclusive. Die Beine brennen, das Herz lacht – und der nächste Trip ist schon fest eingeplant.
Ausrüstung, Planung und Geheimtipps: So gelingt das perfekte Mallorca-Wochenende
Ohne die richtige Vorbereitung wird selbst das schönste Mallorca-Wochenende zur Tortur. Das fängt beim Equipment an: Ein gut gewartetes Rad ist Pflicht, denn die Straßen sind zwar meist top, aber gelegentliche Schlaglöcher und fiese Gullydeckel fordern Material und Fahrer. Wer mit dem Mietrad unterwegs ist, sollte frühzeitig buchen und auf aktuelle Modelle achten – die Nachfrage ist gerade in der Saison brutal. Helm, Ersatzschlauch und Miniwerkzeug gehören sowieso ins Gepäck, genau wie ausreichend Verpflegung für die langen Etappen.
Wetter und Wind spielen auf Mallorca eine entscheidende Rolle. Im Frühling und Herbst kann’s morgens frisch und mittags heiß werden, also Zwiebelprinzip und Windweste nicht vergessen. Der berüchtigte Nordwind kann vor allem auf den Küstenrouten und am Cap de Formentor die Laune ordentlich vermiesen, sorgt aber auch für spektakuläre Wolkenbilder und Rückenwind-Glücksmomente. Die Straßenregeln sollte jeder kennen: Helmpflicht, kein Nebeneinanderfahren auf schmalen Straßen und stets ein Auge auf den spanischen Fahrstil der Autofahrer.
Insider-Tipp für alle, die das echte Mallorca erleben wollen: Meide die Hotspots zur Mittagszeit und fahre antizyklisch. Die schönsten Cafés liegen abseits der Touristenströme – in kleinen Dörfern, in denen die Zeit stehengeblieben scheint. Wer nach den Routen noch Kraft hat, genießt einen Abstecher an versteckte Buchten oder gönnt sich ein Bad im Mittelmeer. Und ganz ehrlich: Wer die Insel einmal auf eigene Faust erkundet hat, will nie wieder nur am Pool liegen.
Fazit: Drei Tage, drei Träume – Mallorca rockt auf jedem Level
Mallorca ist nicht ohne Grund das Mekka für Roadies aus ganz Europa. In nur drei Tagen kannst du hier mehr erleben, als anderswo in einem ganzen Monat: Küstenpanoramen, Passstraßen, magische Dörfer und ein Lebensgefühl, das im Sattel geboren wird. Egal, ob du zum ersten Mal auf der Insel bist oder schon die dritte Saison abreißt – Mallorca überrascht, fordert und belohnt mit jeder Pedalumdrehung. Die Kombination aus abwechslungsreichen Strecken, perfekten Bedingungen und mediterraner Leichtigkeit ist einzigartig. Wer das perfekte Radwochenende sucht, wird hier fündig – und kommt garantiert wieder.
Pro:
- Spektakuläre Routenvielfalt für jedes Niveau – von entspannt bis episch
- Top Straßenqualität, beste Infrastruktur und zahlreiche Radcafés
- Schnelle Anreise aus Deutschland und unkomplizierte Radmitnahme
- Einzigartige Natur, grandiose Ausblicke und perfektes Klima
- Unzählige Möglichkeiten für individuelle Touren und neue Entdeckungen
- Radkultur und Community – von Profis bis Hobbyfahrern alles dabei
Contra:
- Starker Verkehr an Hotspots und in der Hochsaison
- Teilweise überlaufene Klassiker – Frühstart oder Nebensaison lohnen sich
- Wind und Wetter können Touren erschweren – Flexibilität ist gefragt